Stadt Essen muss endlich handeln: Flächendeckende Aufklärungskampagne zur richtigen Nutzung des Rettungsdienstes ist überfällig
Der aktuelle Feuerwehr-Jahresbericht 2025 zeigt: 15-mal mehr Rettungs- als Feuerlösch-Einsätze in Essen. Andere Städte wie Hamburg und Bonn machen vor, wie gezielte Aufklärung funktioniert. Essen wartet noch immer und das, obwohl das Thema längst auf der politischen Agenda steht.
Essen, 19. Mai 2026. Der soeben vorgelegte Jahresbericht der Feuerwehr Essen für das Jahr 2025 macht die Dimension des Problems eindrücklich sichtbar: Knapp 9.000 Brandeinsätzen stehen mehr als 135.000 Rettungs- und Krankentransporteinsätze gegenüber, das 15-fache. Alle 17 Minuten wird in Essen die 112 gewählt. Allein 1.700 dieser Einsätze entfielen 2025 auf das Öffnen von Wohnungstüren. Feuerwehrsprecher Christian Schmücker benennt es selbst: ein anhaltendes „Bagatell-Problem“.
Was fehlt, ist keine neue Feuerwache und kein neues Fahrzeug, sondern Aufklärung. Bürgerinnen und Bürger müssen wissen, wann sie die 112, wann die 116117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst) und wann den Krankentransport unter 19222 wählen. Diese Klarheit fehlt heute in Essen, auf der städtischen Homepage, im öffentlichen Raum und in der direkten Ansprache vulnerabler Zielgruppen.
Das Versäumnis: Ein Thema auf der Agenda, ohne Konsequenzen
Das Thema ist nicht neu. Es wurde bereits im Zuge der Diskussion um Rettungsdienstgebühren politisch adressiert und auf die Agenda gebracht. Passiert ist seitdem: nichts. Die offizielle Website der Feuerwehr Essen listet die Notrufnummern 112, 110, 116117 und 19222 nebeneinander auf, ohne jede Erläuterung, welche Nummer in welcher Situation die richtige ist. Wissenschaftliche Studien bestätigen, was die Praxis zeigt: Nur 56 Prozent der Bevölkerung kennen überhaupt Alternativen zum Notruf 112. Fehlende Information ist damit eine der Hauptursachen für vermeidbare Einsätze.
Das ist kein Versagen der Bürgerinnen und Bürger. Es ist ein Versagen der Kommunikation.
Was andere Städte bereits umsetzen: Vorbilder für Essen
Hamburg (Dezember 2025): Die Feuerwehr Hamburg hat gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg die Kampagne „Die richtige Nummer im richtigen Moment“ gestartet. Die Botschaft ist denkbar einfach: „Krank und Praxis zu? → Wähle die 116117“ / „Lebensbedrohlicher Notfall? → Wähle die 112“. Die Kampagne umfasst Kurzfilme in sozialen Medien, mehrsprachige Info-Flyer, Schulungen in Wohneinrichtungen, Radiospots und einen XXL-Linienbus mit der Botschaft auf Hamburgs Straßen. Niedrigschwellig, mehrsprachig, flächendeckend.
Bonn (April 2025): Feuerwehr und Rettungsdienst Bonn setzten mit der Aktion „Scherzkekse für Scherzkekse“ gezielt auf Humor und öffentliche Sichtbarkeit, um mutwillige Fehlalarme zu adressieren und das Bewusstsein für die Folgen von Notrufmissbrauch zu schärfen.
Beide Beispiele belegen: Es braucht keinen bundesweiten Rahmen und kein neues Gesetz. Es braucht den Willen zur Umsetzung und Partner, die bereits vorhanden sind.
Die Partner stehen bereit -> Essen muss sie nur aktivieren
Für eine wirksame Aufklärungskampagne in Essen müssen keine neuen Strukturen geschaffen werden. Die notwendigen Kooperationspartner existieren:
KV Nordrhein / Ärztekammer Nordrhein → als direkter institutioneller Partner nach Hamburger Vorbild (Kreisstelle Essen bereits aktiv)
DRK Kreisverband Essen → als Träger des Rettungsdienstes und mit direktem Zugang zur Bevölkerung
Pflegestützpunkte und Seniorenbüros der Stadtbezirke → für die Zielgruppe älterer, alleinlebender Menschen (Stichwort: 1.700 Türöffnungen)
Wohlfahrtsverbände (AWO, Caritas, Diakonie) → für die Ansprache sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen
Migrantenselbstorganisationen und Integrationsrat Essen → für mehrsprachige Kommunikation
Apotheken und Hausarztpraxen → als niedrigschwellige Anlaufstellen im Alltag
Unsere Forderung an die Stadt Essen
Wir fordern die Stadtverwaltung Essen und die zuständigen politischen Gremien auf:
Unverzügliche Entwicklung einer flächendeckenden Aufklärungskampagne nach dem Vorbild Hamburg, in Kooperation mit der KV Nordrhein und dem DRK Kreisverband Essen
Mehrsprachige Informationsmaterialien, die über Pflegestützpunkte, Seniorenbüros, Arztpraxen, Apotheken und Wohlfahrtsverbände verbreitet werden
Schulungsangebote in Pflegeeinrichtungen und Seniorenwohnheimen zur richtigen Nutzung der Notrufnummern
Überarbeitung der städtischen Online-Präsenz: Die Notrufseiten der Feuerwehr Essen müssen klar und bürgerverständlich erläutern, welche Nummer wann zu wählen ist
Einen konkreten Zeitplan und eine verantwortliche Stelle, die die Umsetzung koordiniert und öffentlich berichtet
„Die Feuerwehr Essen leistet täglich hervorragende Arbeit unter schwierigen Bedingungen. Es ist unsere Aufgabe als Stadt, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass diese Ressourcen dort ankommen, wo sie wirklich gebraucht werden. Aufklärung ist kein Nice-to-have, sie ist kommunale Verantwortung.“
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Quellen / Hintergrund:
Feuerwehr Essen, Jahresbericht 2025 (WAZ, 19.05.2026) | Feuerwehr Hamburg / KV Hamburg, Kampagne „Die richtige Nummer im richtigen Moment“ (Dez. 2025) | Feuerwehr Bonn, „Scherzkekse für Scherzkekse“ (Apr. 2025) | Studie: „Warum wird der Notruf 112 gewählt?“, Notfall + Rettungsmedizin, Springer 2021