Olympia nach Deutschland: ja. Aber kann Essen das wirklich stemmen?

Die Debatte um die Olympiabewerbung Rhein Ruhr wird derzeit auf vielen Ebenen geführt, auch in Essen. Dabei ist uns eines wichtig, das wir klar voranstellen möchten:
Wir sind nicht gegen Olympische Spiele. Im Gegenteil.

29. Jan 2026

Als Volt Essen begrüßen wir ausdrücklich die Idee, dass Olympische Spiele wieder nach Deutschland und Europa kommen. Große internationale Sportereignisse sollten nicht in Ländern stattfinden, in denen Menschenrechte, Arbeitsstandards oder Umweltauflagen missachtet werden. Deutschland und Europa haben hier eine besondere Verantwortung und auch die Chance, zu zeigen, dass Olympische Spiele nachhaltig, fair und transparent umgesetzt werden können.

Dass sich gleich 17 Städte an der Bewerbung beteiligen, kann ein starkes Signal sein: für regionale Zusammenarbeit, für Sichtbarkeit und für eine neue Form von Olympischen Spielen, die nicht auf eine einzelne Metropole konzentriert sind.

Gleichzeitig stellen sich für uns, und für viele Bürgerinnen und Bürger, sehr konkrete Fragen. Und diese betreffen vor allem Essen.

Unsere Stadt steht aktuell vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Vor Kurzem wurde eine Haushaltssperre verhängt, Neueinstellungen sind kaum möglich, an vielen Stellen wird gespart. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit, Organisation und Verwaltung spürbar an. Selbst bei etablierten Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt wird inzwischen offen diskutiert, ob die Sicherheitskosten überhaupt noch zu stemmen sind.

Vor diesem Hintergrund fragen wir uns ehrlich:
Wie soll Essen ein zusätzliches Großprojekt dieser Größenordnung schultern?

Auch wenn Fördermittel von Land und Bund vorgesehen sind, bleibt ein Teil der Kosten immer bei der Stadt selbst. Dazu zählen nicht nur Investitionen, sondern vor allem laufende Aufwendungen: Personal, Organisation, Verkehrslenkung, Sicherheitskonzepte, Absperrungen, Einsatzkräfte. Gerade diese Faktoren sind heute die größten Kostentreiber und sie lassen sich nicht beliebig reduzieren.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der aus unserer Sicht bislang zu wenig diskutiert wird:
Wenn 17 Städte Austragungsorte sind, entstehen dann nicht auch 17-mal hohe Vorbereitungs-, Organisations- und Sicherheitskosten? Jede Stadt muss ihre Standorte vorbereiten, eigene Abläufe organisieren und Verantwortung übernehmen. Das wirft die Frage auf, ob die Kosten nicht stärker vervielfacht werden, statt sich zu bündeln.

Uns geht es dabei nicht um Prestige oder Ablehnung. Uns geht es um Sachlichkeit und Verantwortung. Wer entscheidet eigentlich, wie hoch das finanzielle Risiko für eine einzelne Stadt sein darf? Welche Szenarien gibt es für den Fall, dass Kosten steigen oder Einnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben? Und was passiert nach Olympia, insbesondere für eine Stadt, die ohnehin finanziell unter Druck steht?

Wir wünschen uns an dieser Stelle deutlich mehr Transparenz, vor allem auf kommunaler Ebene. Bürgerinnen und Bürger müssen nachvollziehen können, welche Belastungen konkret auf ihre Stadt zukommen und welche Vorteile realistisch zu erwarten sind.

Deshalb interessiert uns auch eure Meinung:
Was ist euch wichtiger, internationales Prestige oder finanzielle Sicherheit?
Große Visionen oder solide Umsetzbarkeit?
Und habt ihr euch bereits Gedanken darüber gemacht, welche Folgen eine Olympiabeteiligung für Essen langfristig haben könnte?

Diese Fragen stellen wir uns intensiv. Nicht, um Stimmung zu machen, sondern weil wir überzeugt sind, dass eine Entscheidung dieser Tragweite nur auf Basis ehrlicher, transparenter Informationen getroffen werden sollte.

Schreibt uns eure Meinung: [email protected]