Kürzungen an der Seele: Volt warnt vor Versorgungskollaps in der Psychotherapie
Honorarkürzungen verschärfen Versorgungskrise und verlängern Wartezeiten. Volt fordert sofortigen Stopp der Kürzungen und Systemreform. Europäische Modelle zeigen: Bessere Versorgung ist möglich.
Berlin, 26. März 2026 – Volt Deutschland fordert die sofortige Rücknahme der geplanten Honorarkürzungen in der psychotherapeutischen Versorgung sowie eine grundlegende Reform hin zu einer bedarfsorientierten und zukunftsfähigen Finanzierung psychischer Gesundheit.
Die Nachfrage nach psychotherapeutischer Unterstützung steigt seit Jahren kontinuierlich und verschärft sich durch die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen weiter. Pandemie-Nachwirkungen, wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Lebenshaltungskosten, Kriegsängste und zunehmender beruflicher und gesellschaftlicher Druck belasten viele Menschen erheblich. Psychische Gesundheit ist längst zu einer zentralen gesellschaftlichen Herausforderung geworden. Doch das Versorgungssystem hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Patient*innen warten heute bereits häufig Monate auf einen Therapieplatz.
Statt auf diese Entwicklung zu reagieren, wird die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen ab April 2026 um 4,5 % gekürzt. Für Volt Deutschland ist das ein politisches Signal mit fataler Wirkung.
Wer an psychischer Gesundheit spart, verschiebt die Kosten nur in die Zukunft und auf die Schultern der Schwächsten. Diese Entscheidung ist gesundheitspolitisch kurzsichtig und gesellschaftlich gefährlich,
erklärt Luca Loreen Kraft, Bundesvorsitzende von Volt Deutschland.
Zentrale Kritikpunkte
Versorgungsrisiko statt Einsparung: Einschnitte in der Psychotherapie führen nachweislich zu höheren Folgekosten durch chronische Erkrankungen, Arbeitsausfälle und stationäre Behandlungen.
Widerspruch zur politischen Priorisierung: Während Mental Health öffentlich als zentral anerkannt wird, erfolgt gleichzeitig eine finanzielle Abwertung.
Gefährdung der Versorgungssicherheit: Es drohen Praxisschließungen, reduzierte Arbeitszeiten und eine Verlagerung in den Privatsektor.
Soziale Ungleichheit nimmt zu: Wer privat zahlen kann, erhält schneller Hilfe. Gesetzlich Versicherte bleiben zurück.
Damit wird aus einer gesundheitspolitischen Fehlentscheidung ein gesamtgesellschaftliches Problem. Volt kritisiert insbesondere die strukturellen Ursachen dieser Entwicklung. Die aktuelle Vergütungssystematik orientiert sich nicht am tatsächlichen Bedarf, sondern an starren Budgetlogiken und realitätsfernen Auslastungsannahmen.
Wir brauchen ein modernes Gesundheitssystem, das psychische Gesundheit ernst nimmt. Nicht nur in Sonntagsreden, sondern in konkreten politischen Entscheidungen. Investitionen in Psychotherapie sind Investitionen in Lebensqualität, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt,
sagt Kraft.
Forderungen
Volt fordert daher einen klaren politischen Kurswechsel. Neben der sofortigen Rücknahme der Kürzungen braucht es eine grundlegende Reform der psychotherapeutischen Versorgung:
Mental Health als Daseinsvorsorge
Psychische Gesundheit muss finanziell und strukturell gleichrangig mit somatischer Medizin behandelt werden.Bedarfsorientierte Vergütung statt Budgetlogik
Wartezeiten müssen als zentraler Steuerungsindikator dienen – nicht starre Budgetgrenzen.Transparente Kalkulation und Beteiligung der Fachverbände
Die Berechnungsgrundlagen müssen offengelegt und realitätsnah gestaltet werden.Reform der Bedarfsplanung
Kassensitze müssen sich an realer Nachfrage orientieren, insbesondere in unterversorgten Regionen.Ausbau niedrigschwelliger Angebote
Mehr Gruppenangebote, digitale Erstberatung und Präventionsprogramme.
Europa zeigt: Deutschland ist kein Maßstab mehr
Ein Blick in andere europäische Länder macht deutlich, dass bessere Lösungen längst existieren:
Niederlande: Ein klar gestuftes Versorgungssystem ermöglicht schnellen Zugang zu Therapie. Digitale Angebote und Kurzzeitinterventionen sorgen dafür, dass Patient*innen frühzeitig behandelt werden und Wartezeiten reduziert bleiben.
Dänemark: Der Fokus liegt auf frühzeitiger Intervention und staatlich koordinierten Programmen. Psychische Erkrankungen werden schneller erkannt und behandelt, bevor sie chronisch werden – mit spürbaren Effekten auf Versorgung und Kosten.
Schweden: Eine konsequent evidenzbasierte Bedarfsplanung wird mit digitalen Therapieangeboten kombiniert. Das System reagiert flexibel auf Nachfrage und verbessert so sowohl Zugang als auch Effizienz.
Während andere Länder ihre Systeme modernisieren, diskutieren wir darüber, wie wir Leistungen kürzen. Das ist der falsche Weg. Wer heute nicht investiert, zahlt morgen doppelt,
so Luca Loreen Kraft.
Volt Deutschland fordert die Bundesregierung auf, über das BMG als Aufsichtsbehörde die Kürzungen des Erweiterten Bewertungsausschusses umgehend auszusetzen und gemeinsam mit Fachverbänden eine nachhaltige Reform der psychotherapeutischen Versorgung einzuleiten.
Über Volt
Volt ist die pan-europäische politische Bewegung, die sich für ein vereintes, zukunftsfähiges Europa einsetzt. Mit einer Politik, die auf Innovation, Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit basiert, setzt Volt auf konkrete Lösungen, die auf europäische Best-Practice-Beispiele zurückgreifen und auf nationale Gegebenheiten übertragen werden. Volt tritt für eine moderne, weltoffene Gesellschaft ein, in der die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam und ohne ideologische Blockaden angegangen werden.
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Jörn Erdmann
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