Volt in der Region Köln-Bonn fordert nach Sperrung der Nordbrücke ein Gesamtkonzept

Gemeinsame Pressemitteilung

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5. Jun 2026
Sperrung Nordbrücke Bonn Volt

05. Juni 2026 - Seit dem 3. Juni 2026, 15 Uhr, ist die Friedrich-Ebert-Brücke (Bonner Nordbrücke) vollständig gesperrt. Täglich überqueren über 100.000 Fahrzeuge diese Verbindung – sie sind jetzt auf weite Umwege angewiesen. Volt fordert sofortiges Handeln: Expressbusse, Schnellradwege und ein verbindliches Gesamtverkehrskonzept für die Region Köln–Bonn.

Aktuelle Prüfungen der Autobahn GmbH haben strukturelle Schäden am Tragwerk der Friedrich-Ebert-Brücke ergeben. Die Brücke aus dem Jahr 1967 ist bis auf Weiteres voll gesperrt. Bereits seit Februar 2026 war sie für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dicht. Vorangegangene Hauptprüfungen hatten erhebliche Schäden an Entwässerung und Überbau dokumentiert. Die Autobahn GmbH selbst hält fest, dass die Restnutzungsdauer der Brücke auch durch Sanierungsmaßnahmen nicht ausreichend verlängert werden kann.

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg nennt die Vollsperrung eine „Katastrophenmeldung" und die Brücke eine „Lebensader" der Region. Die Handwerkskammer warnt vor massiven Mehrkosten für Betriebe. Volt teilt diese Einschätzung vollständig – und hat deshalb in den vergangenen Jahren wiederholt Lösungen vorgeschlagen und eingebracht, die eine solche Zuspitzung hätten abmildern können. Dass es trotzdem so weit gekommen ist, zeigt: Wir brauchen kein weiteres Gutachten, wir brauchen Entscheidungen.

Die Sperrung der Nordbrücke trifft die Region in einem bereits belasteten Moment. Die Deutsche Bahn plant ab Februar 2028 eine Generalsanierung des Korridors Köln–Bonn–Koblenz. Parallel dazu sollen vier Brücken der Kölner Innenstadtbahnstrecke von Juli 2028 bis Ende 2029 saniert werden – das bedeutet 17 Monate ohne direkte Schienenverbindung über Köln-Süd nach Bonn. 

Auch in Köln zeigt sich der Zustand der Infrastruktur: Die Zoobrücke ist sanierungsbedürftig, die Ausfahrt zur Zoobrücke von der A3 bleibt bis Februar 2027 gesperrt, und die Abfahrt an der Severinsbrücke wurde erst dieser Tage wegen eines Hohlraums dichtgemacht. Diese Brücken müssen nun zusätzlichen Ausweichverkehr aus Bonn auffangen – ohne dass sie dafür ausgelegt sind.

NRW hat bundesweit die meisten maroden Autobahnbrücken. Laut IHK-Brückenmonitor 2025 sind rund 2.500 Brücken in NRW sanierungsbedürftig, fast 800 davon gelten als mangelhaft, mehr als 30 Prozent der Autobahnbrücken stehen auf der Sanierungsliste. Das ist kein Pech – das ist das Ergebnis jahrzehntelangen Investitionsstaus.

Vertreter:innen von Volt in der gesamten Region melden sich wie folgt zu Wort:

Sobald die Nordbrücke wieder für den Fuß- und Radverkehr freigegeben ist, muss es auch möglich sein, diese mit S-Pedelecs zu queren, um dem Pendelverkehr für mittlere Distanzen eine zusätzliche Alternative zu bieten. Bislang dürfen sie nämlich weder auf dem Fuß-/Radweg fahren, weil sie mit 40 km/h dafür zu schnell sind, noch auf der Fahrbahn, weil sie dafür zu langsam sind.

Karin Langer, Mobilitätspolitische Sprecherin der Volt-Gruppe im Bonner Stadtrat

Die Sperrung hat Auswirkungen auf Köln - und wir müssen die Region im gesamten betrachten. Wir von der Volt-Fraktion im Rat der Stadt Köln schauen hier mit lokaler und regionaler Brille auf die Infrastruktur.

Dustin Wegener, Mobilitätspolitischer Sprecher der Ratsfraktion Köln

Wir brauchen eine Betrachtung des gesamten Verkehrs von Schiene und Individualverkehr auf Autobahnen, Bundes- und Landstraßen - und das bleiben die Landes- und Bundesministerien schuldig.

Friedrich Jeschke, Co-Fraktionsvorsitzender im Regionalrat Köln

Die vollständige Sperrung der Bonner Nordbrücke ist für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis ein verkehrspolitischer Super-GAU. Seit Jahren wird sichtbar, dass unsere Region an der Belastungsgrenze fährt: zu wenige Park-and-Ride-Angebote, zu schlechte ÖPNV-Taktungen, zu komplizierte und teure Tarifgrenzen und keine belastbare Ausweichstrategie zwischen den Rheinseiten. Jetzt rächt sich, dass Sanierung, Verkehrsplanung und regionale Mobilitätskonzepte zu lange aufgeschoben wurden – wir brauchen endlich ein gemeinsames Gesamtkonzept für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis, das Pendler:innen, Schüler:innen, Wirtschaft und Alltag ernst nimmt.

Marcel Landsberg, Volt-Kreistagsabgeordneter Rhein-Sieg-Kreis

Mit der Nordbrücken‑Sperrung und den parallelen Bauarbeiten im Korridor Köln-Düsseldorf gerät der Rhein‑Erft‑Kreis endgültig an seine Verkehrsgrenzen – ohne schnelle, abgestimmte Lösungen droht der tägliche Stillstand für Pendler und Wirtschaft. Und bitte, keiner soll sagen diese Situation wäre nicht vorhersehbar gewesen – wer ständig an den falschen Stellen spart, Kompetenzgerangel konsequent durchzieht und immer nur an den eigenen Kirchturm denkt,  gefährdet am Ende unser Wachstum unseren Wohlstand und unsere Entwicklung – jetzt müssen wir pragmatisch und schnell umdenken und daran denken, dass nur koordinierte und enge Zusammenarbeit tatsächliche Lösungen liefert.

Bernd Dächer, Mitglied des Kreistages Rhein-Erft

Wir bei Volt betrachten nicht nur einen isolierten Punkt auf der Karte, sondern das Netz, das sich von diesem Punkt aus in unterschiedliche Richtungen erstreckt. Dieses Netz endet nicht an Landes- oder Bundesgrenzen. Genauso dürfen unsere Lösungen nicht dort enden. Viele Pendler:innen aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz sind ebenfalls von der Brückensperrung betroffen. Hier muss schnell Klarheit für diese Menschen geschaffen werden.

Alexandra Barsuhn, Vorstandsvorsitzende von Volt Rheinland-Pfalz  

Volt setzt auf pragmatische Lösungen

1. Expressbus-System Köln–Bonn sofort aufbauen

Die Region braucht jetzt einen funktionierenden ÖPNV-Korridor zwischen Köln und Bonn. Bestehende Buslinien müssen um Expressverbindungen verdichtet und beschleunigt werden. Volt hatte im Regionalrat Köln bereits 2025 beantragt, Standstreifen und Busspuren auf der A59 für den ÖPNV freizugeben – analog zu bewährten Lösungen aus Österreich. Der Antrag (hier nachzulesen) scheiterte an CDU, SPD und FDP. Wir fordern das Verkehrsministerium NRW und die Autobahn GmbH nachdrücklich auf, diese Option in der neuen Notsituation noch einmal zu prüfen und umsetzen. 

2. Schienersatzverkehr nicht erst 2028 planen

Der Ersatzverkehr für die ab 2028 gesperrte Bahnstrecke darf nicht erst dann organisiert werden, wenn die Baustelle beginnt. Infrastruktur, Linienführung und Priorisierung müssen jetzt umgehend konzipiert werden – damit die Verbindung steht, wenn die Bahn ausfällt und umgehend die Region auch bei der gesperrten Brücke entlastet.

3. Radschnellwegnetz: Lücken schließen statt Wege zurückbauen

Der Fuß- und Radweg auf der Nordbrücke ist mit gesperrt. Volt fordert, den Druck, der dadurch auf das Bonner Radwegenetz entsteht, nicht durch im Raum stehenden Rückbau zu beantworten – sondern durch Lückenschlüsse im Radschnellwegnetz zwischen Köln und Bonn. E-Bike-Pendlerinnen und -Pendler sind Teil der Lösung, nicht des Problems. Zudem sollte die Nordbrücke für Rad- und Fußverkehr und ggf. ÖPNV- und Rettungsverkehr freigegeben werden, sofern dies gefahrlos möglich ist. 

4. Taktausweitung der Linie 66 zwischen Siegburg und Bonn inklusive kurzfristiger Einrichtung großer P+R-Flächen

Für Pendler:innen aus dem rechtsrheinischen Bereich ist der Umstieg auf die Linie 66 eine realistische Alternative zum Auto - wenn sie denn vergleichsweise einfach auch von entlegenen Standorten an deren Haltestellen heranfahren können. Die Einrichtung kostenloser P+R-Flächen könnte zeitnah und pragmatisch umgesetzt werden, wenn der politische Wille da ist, beispielsweise durch Anmietung von Parkhäusern oder landwirtschaftliche Freiflächen durch die Städte oder die Autobahn GmbH. 

5. Ressourcen auf bestehende Brücken konzentrieren – Rheinspange ad acta legen

Die Rheinspange 553 befindet sich noch immer in der Vorplanung, ein Baubeginn ist frühestens in den 2030er Jahren realistisch. Die Kapazitäten der Autobahn GmbH sind begrenzt. Sie gehören jetzt vollständig in die Sanierung und den Neubau der bestehenden Rheinquerungen – allen voran die Bonner Nordbrücke, die nach Einschätzung der Autobahn GmbH ohnehin neu gebaut werden muss. Die Rheinspange ist ein Luftschloss, die Nordbrücke nicht. Ein Neubau in beschleunigtem Verfahren ist notwendig.

6. Gesetzliche Grundlage für ÖPNV auf Autobahnen schaffen

Die Autobahn GmbH ist heute rechtlich eingeschränkt, wenn es um temporäre Busspuren auf Autobahnen geht. Volt fordert den Bundestag auf, die notwendigen gesetzlichen Anpassungen schnell und pragmatisch zu schaffen. Eine Novelle, die das ermöglicht, ist machbar. Sie muss jetzt angestoßen werden.

7. Homeoffice unterstützen – aber realistisch bleiben

Die Empfehlung der Stadt Bonn, auf Homeoffice auszuweichen, ist für einen Teil der Pendler:innen sinnvoll und richtig. Für Handwerksbetriebe, Schulen, Kliniken und Behörden gilt sie nicht. 

8. Gesamtverkehrskonzept Region Köln–Bonn – jetzt und verbindlich mit einer überregionalen Taskforce 

Das NRW-Verkehrsministerium muss ein verbindliches, ressortübergreifendes Gesamtverkehrskonzept vorlegen, das Straße, Schiene, Rad und ÖPNV für die Gesamtregion Köln–Bonn–Rhein-Sieg–Rhein-Erft koordiniert betrachtet – inklusive aller bekannten Baustellenszenarien bis 2030. Es ist nicht akzeptabel, dass Bahninfrastruktur und Straßeninfrastruktur weiterhin in getrennten Planungswelten gedacht werden. Die Leidtragenden dieser Koordinierungslücke sind die Menschen in der Region.


Die Bonner Nordbrücke ist gesperrt. Sie muss neu gebaut werden. Die Bahn wird ab 2028 folgen. Die Menschen in der Region – Pendler:innen, Betriebe, Schulen, Familien – brauchen jetzt Antworten und keine Vertröstungen. Volt steht für pragmatische, schnelle und nachhaltige Lösungen. Wir stehen bereit, sie gemeinsam mit allen politischen Kräften und den zuständigen Behörden umzusetzen.

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