Volt fordert einen Bauturbo für die Fuß-/Radbrücke in der Höhe der Ersten Fährgasse und für die Seilbahn

Bonn, 12.06.2026 – Als wären die letzten Tagen nicht verkehrstechnisch schon genug von katastrophalen Meldungen überschattet gewesen, war nun der gestrige Donnerstag ein schwarzer Tag für alle in Bonn (Rad-, Bus- oder Autofahrer*innen): Durch eine Ratsentscheidung mit den Stimmen der CDU, SPD, FDP, BBB und AFD wird der Stau in die Innenstadt verlagert und wer dem unvermeidlichen Autoverkehr durch die Nutzung des Rades oder des Busses freie Fahrt ermöglicht, wird nun bestraft.

12. Jun 2026

Foto Credit: Georg Haubrock

Verkehrschaos in Bonn: Wer aufs Rad umsteigen möchte, wird nun bestraft

Mit den Stimmen der CDU, SPD, FDP, BBB und AFD hat der Stadtrat gestern beschlossen, die Rad- und Umweltspuren auf der linksrheinischen Ost-West-Achse (Bertha-von-Suttner-Platz, Oxfordstraße, Berliner Platz) zu entfernen und eine zweite Individual-Autospur wieder herzustellen. Und sollte sich herausstellen, dass es zu gefährlich ist, den Radverkehr neben dem zweispurigen Autoverkehr fahren zu lassen, soll der Radverkehr auf dem Abschnitt obendrein ganz verboten werden. Busse werden von nun an in Richtung Bornheimerstraße ebenfalls im Stau stehen, wo sie vorher  gut durchgekommen sind. Ganz nebenbei werden auch die Radspuren auf der Adenauerallee entfernt, um auch hier die Zweispurigkeit für den Autoverkehr in beide Richtungen wiederherzustellen.

Nach der Sperrung der Nordbrücke stieg die Anzahl der Rheinquerungen per Fahrrad über die Kennedybücke um mehr als 100% auf sagenhafte 19.000! Einige der dazugekommenen Fahrten mögen von Leuten sein, die bislang mit dem Rad über die Nordbrücke gefahren sind, doch die allermeisten sind Leute, die bis dahin kaum Fahrrad gefahren sind. Keine routinierten Radler*innen, sondern Menschen, die sich vielleicht unsicher fühlen, auf den Bonner Straßen Rad zu fahren, und die es jetzt aber trotzdem tun. 

Karin Langer, mobilitätspolitische Sprecherin von Volt und Stadtverordnete zeigt sich fassungslos:

Gerade die neu gewonnenen Radfahrenden sind mit jedem Rad ein Auto weniger im Bonner Stau. Sollen die 19.000 Radfahrenden jetzt alle auf gefährlich engen Radspuren über die Oxford-Straße fahren? Unfälle sind vorprogrammiert, ganz zu schweigen von der Unattraktivität solch einer Route.

Volt fordert, vernünftig und wissenschaftsbasiert zu handeln: Gerade in der jetzigen Situation, wo Bonn am besten tausende Menschen aufs Rad und in den ÖPNV bringen sollte, um die Lage zu entzerren, brauchen wir eine sichere, attraktive und angenehme Fahrradinfrastruktur! Verkehrsforscher sagen schon lange: 90 Prozent aller Entlastungsstraßen führen am Ende zu mehr Verkehr. Eine nachhaltige Lösung, um Staus zu bekämpfen, liegt nicht im Ausbau von Autospuren, sondern in der Verringerung des motorisierten Verkehrs. (Quelle: Deutschlandfunk).

Bei der Frage der Autospuren und des ÖPNV verstricken sich aber vor allem die CDU, FDP und SPD in Wiedersprüche: Während der Linie 66 freie Fahrt durch die Verbannung von Autos auf der Straßenbahnspur in Beuel gegeben wird (super!) und die Busspur auf dem Herman-Wanderleb-Ring auch für Taxis freigegeben wird (ebenfalls super!), wird das wichtige Busdrehkreuz des Berliner Platzes durch die Entfernung der Busspuren komplett dem Stau übergeben und der ÖPNV blockiert. 

Wie zum Hohn appellierte Obermeister Guido Déus am Donnerstag in seiner Rede, in der er diese Maßnahmen schönredet, an die Bonner*innen, verstärkt aufs Fahrrad umzusteigen. 

Was Volt nun beschäftigt, ist die Frage: Wie kommen wir in den nächsten Jahren über den Rhein?

Selbst bei einem "Bauturbo" für die Nordbrücke wird dieser Bau Jahre benötigen, erst recht, wenn die Verantwortlichen an den jahrzehntealten Plänen einer verbreiterten Brücke festhalten.

Was wir stattdessen brauchen, ist ein "Bauturbo" für die Fuß-/Radbrücke in der Höhe der Ersten Fährgasse sowie ein "Bauturbo" für die Seilbahn. So kann Mobilität gelingen und zwar für alle, denn auf den Straßen müssen dann nur noch diejenigen fahren, die wirklich keine andere Möglichkeit haben. So ließe sich Stau wirklich vermeiden.