Handwerk und Ausbildung
Das Handwerk in Frankfurt steht wie auch bundesweit vor vielfältigen strukturellen Herausforderungen. Sinkende Ausbildungszahlen, unbesetzte Ausbildungsplätze und eine wachsende Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss sorgen für fehlende Fachkräfte in Handwerk und Industrie. Zeitgleich sind steigendeLebenshaltungskosten, insbesondere für Mieten, sowie knappe Gewerbeflächen im Stadtgebiet Alltagsrealität.
Frankfurt hat die Chance, nachhaltige Lösungen für die Herausforderungen im Handwerk und Ausbildung umzusetzen. Wir machen uns daher stark für einen vernetzten Ansatz, der Bildung, soziale Maßnahmen, Mobilität und Wohnraum verbindet, um eine funktionierende Stadt der kurzen Wege mit erfolgreichem Handwerk zu schaffen. Frankfurt braucht endlich die Handwerkshöfe, ein Konzept, das seit Jahren diskutiert wird, aber bisher nicht umgesetzt wurde. Gerade in einer wachsenden und dicht bebauten Stadt sind Flächen für Handwerksbetriebe knapp und oft unbezahlbar.
Handwerkshöfe bieten dafür eine konkrete Lösung: zentrale, bezahlbare und gut erschlossene Flächen, auf denen Werkstätten, kleine Produktionsbetriebe sowie Lagerflächen gebündelt werden können. Damit sichern wir die Zukunft lokaler Handwerksbetriebe, erhalten Ausbildungs- und Arbeitsplätze und sorgen dafür, dass Dienstleistungen und Reparaturen auch weiterhin direkt vor Ort verfügbar sind.
Volt möchte Informationskampagnen und frühe Berufsorientierung in der Schule fördern. Zum Beispiel möchten wir den Schulen Angebote für Praxisprojekte und gezielte Förderung von Sprache, Mathematik und Naturwissenschaften machen. Wir wollen neu in Deutschland Angekommene durch zusätzliche Qualifizierung und Sprachförderung unterstützen und ihnen schneller die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ermöglichen.
Damit Auszubildende und Ausbildungsbetriebe sich finden, braucht es niederschwellige Angebote. Eine App oder Matching-Plattformen können hier hilfreich sein, Azubi und Ausbilder*in zusammenzubringen.
Moderne Social-Media-Kampagnen, sowie Kooperationen mit regionalen Handwerks-Influencer*innen sind geeignet, das Handwerk attraktiv zu machen. Ergänzend dazu soll ein freiwilliges Handwerksjahr wie in Lübeck angeboten werden.
Best Practice: Freiwilliges Jahr
Das Freiwillige Handwerksjahr in Lübeck bietet Jugendlichen die Möglichkeit, in einem Jahr bis zu vier verschiedene Ausbildungsberufe praktisch auszuprobieren. Sie gewinnen klare Orientierung über ihre berufliche Zukunft und können unmittelbar entscheiden, welcher Beruf zu ihnen passt. Teilnehmer*innen erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung können bei Interesse in eine Ausbildung starten.
Um kleinen Betrieben das Ausbilden zu ermöglichen, setzen wir auf Anreize und wollen Ausbildungsverbünde, Bürokratieabbau, Mentoring und Konfliktberatung fördern.
Damit auch Auszubildende sich trotz der enormen Mietpreise das Leben in Frankfurt leisten können, setzen wir uns für den zügigen Bau von Azubi-Wohnheimen ein. Um kurzfristig ausreichend Azubi-Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wollen wir Alternativen wie z. B. die Umwidmung von Leerstand prüfen.
Wir unterstützen die Gründung eines kommunalen Azubiwerks, analog zu Studierendenwerken, nach Münchner Vorbild. Ein solches Azubiwerk würde sich explizit um die Anforderungen von Auszubildenden kümmern.