Von Magdeburg bis Darmstadt, von Dublin bis Nicosia: Zusammenhalt gegen Rechts

Rede unseres stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Justin Krampe bei der Kundgebung des Bündnisses gegen Rechts nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 7. September 2026

12. Sep 2026
Europaflagge

Ich bin gebürtiger Sachsen-Anhalter. Heute stehe ich hier in Darmstadt, meiner neuen Heimat, und spreche über das Wahlergebnis in dem Bundesland, aus dem ich komme.

Gestern, an diesem Sonntag – an dem wir dastanden und wahrscheinlich alle dachten, die Welt hätte sich um 180 Grad gedreht – haben Menschen von Dublin bis Nicosia, von Lissabon bis Helsinki auf Sachsen-Anhalt geschaut und gesehen, dass eine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei 43,8 Prozent der Stimmen erhalten hat. Dieses Ergebnis ist ein Schock. Aber es ist bei Weitem nicht das Ende, wenn ich mir die vielen Farben hier bei uns auf dem Platz ansehe. Ihr gebt uns allen Hoffnung.

Aber machen wir uns nichts vor: Das, was wir gestern gesehen haben, ist keine Entwicklung, die irgendwo in Ostdeutschland stattfindet. Der Rechtsruck macht nicht an der Landesgrenze halt. Wir erleben ihn in Sachsen-Anhalt, in Hessen, hier in Darmstadt und in ganz Europa. Er trägt an jedem Ort andere Namen und Zahlen, aber er richtet sich überall gegen dieselben Grundlagen unseres Zusammenlebens. Als Wissenschaftler glaube ich an Fakten statt an einfache Parolen. Als Europäer glaube ich an Zusammenhalt statt an Nationalismus. Und als Sachsen-Anhalter und Darmstädter glaube ich an eine Gesellschaft, in der nicht Herkunft, Name oder Hautfarbe darüber entscheiden, wer dazugehört!

Die AfD lehnt vieles von dem ab, wofür wir hier alle als Menschen stehen. Sie verspricht einfache Lösungen, ohne ehrlich zu sagen, auf wessen Rücken diese eigentlich ausgetragen werden sollen. Sie greift unabhängigen Journalismus an. Sie will beim Klimaschutz zurück in die Vergangenheit, während unsere wirtschaftliche Zukunft längst in der erneuerbaren Energie und klimaneutralen Industrie liegt. Und sie hetzt gegen Menschen, die zu uns gekommen sind und heute unsere Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen jeden Tag mit ihrer Arbeit tragen – und wir reden hier vor allem von unseren Freunden, Nachbarn und Ehepartnern!

Das Ganze, was die AfD veranstaltet, ist heuchlerisch, es ist verantwortungslos und es ist vor allem nicht das Deutschland im Herzen Europas, für das wir hier einstehen. Denn Sachsen-Anhalt und Hessen, das sind nicht die politischen Konstrukte – das sind die Ehrenamtlichen bei der Feuerwehr und im Sportverein, die Pflegerinnen und Pfleger, die Lehrkräfte, Auszubildenden und Beschäftigten, die Kulturschaffenden und Wissenschaftlerinnen und alle Menschen, die zugezogen sind und unsere gemeinsame Heimat mitgestalten. Die Botschaft ist deshalb klar: Unabhängig von unseren Parteibüchern müssen wir zusammenarbeiten. Und ich bin dankbar dafür, dass ich das als Mandatstragender hier in Darmstadt darf, mit meinen Kolleginnen und Kollegen weit im politischen Spektrum verteilt. Danke erst einmal dafür!

Für uns alle, die wir hier stehen, ergibt sich daraus eine Aufgabe für die nächsten Jahre: Wir müssen zuhören, ohne der Hetze nachzugeben. Wir müssen Sorgen ernst nehmen, ohne Stereotype und Falschinformationen zu übernehmen. Und wir müssen Probleme lösen, statt nur darüber zu reden, wer an ihnen schuld ist. Gehen wir auf unsere Freunde, unsere Familie und unsere Nachbarn zu. Fragen wir sie, was ihnen fehlt und wie wir helfen können. Lassen wir niemanden allein mit Angst, Wut und Enttäuschung. Wir alle, die hier stehen, glauben an pragmatische, progressive und gemeinsame Lösungen – nicht nur für die Menschen, sondern gemeinsam mit ihnen. Und deshalb möchte ich abschließend sagen: Unsere Solidarität ist mit allen. Ich bin dankbar für euch – von Magdeburg bis Darmstadt, von Dublin bis Nicosia. Wir sind mehr und wir sind zusammen viele!