Koalition stellt Antrag: Darmstadt soll auf unabhängige Kommunikation in einem echten sozialen Netzwerk setzen
Pressemitteilung der Koalition aus Grünen, CDU und Volt vom 12. Februar 2026
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt soll in ihrer digitalen Kommunikation künftig neue Wege gehen und ihre Präsenz in sozialen Netzwerken am Prinzip der digitalen Souveränität ausrichten. Ein entsprechender Antrag der Koalition aus Bündnis 90/Die Grünen, CDU und Volt sieht vor, die städtische Öffentlichkeitsarbeit auf den Microblogging-Dienst Mastodon auszuweiten und den bisherigen Account auf der Plattform X (vormals Twitter) nur noch für die Kommunikation im Krisenfall zu nutzen.
Weg von kommerziellen Algorithmen, hin zu europäischen Lösungen
Mit diesem Schritt reagiert die Koalition auf die Notwendigkeit, den Bürger:innen datenschutzfreundliche und unabhängige Kanäle anzubieten. Im Gegensatz zu kommerziellen Plattformen, die Nutzerverhalten zu Werbezwecken auswerten, ermöglicht Mastodon eine DSGVO-konforme Kommunikation ohne Tracking. Darmstadt folgt damit dem Beispiel von Institutionen wie dem Deutschen Bundestag.
Volt-Fraktionsvorsitzende Ana Lena Herrling erläutert: „Wir tauschen intransparente US-Algorithmen gegen eine offene, europäische Lösung. Mastodon steht für genau die digitale Zukunft, die wir wollen: unabhängig, werbefrei und demokratisch. Es ist Zeit, dass wir unsere digitale Kommunikation nicht mehr anderen überlassen, sondern auf eigene, europäische Standards setzen.“
Stärkung der Bürgerrechte und Debattenkultur
Da Mastodon nicht gewinnorientiert arbeitet, stehen statt kommerzieller Interessen die Meinungsfreiheit und eine sachliche Debattenkultur im Vordergrund. Inhalte sind deshalb auch für Nicht-Nutzer:innen zugänglich. Für die Förderung einer freien, offenen und nicht-kommerziellen Kommunikation wurde das Netzwerk mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet; durch die Vereinten Nationen ist Mastodon zudem als „Digitales Öffentliches Gut“ anerkannt.
„Für uns ist der Schutz der Daten unserer Bürger:innen ein konkreter Auftrag. Mit dem Wechsel von X auf den Kanal Mastodon bieten wir den Darmstädter:innen eine neue Alternative, sich zu informieren, ohne US-amerikanische Tech-Giganten mit Daten zu füttern“, erklärt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Eva Bredow-Cordier. „Mastodon bietet genau jene Unabhängigkeit von Drittstaaten-Anbietern, die wir für eine vertrauenswürdige öffentliche Kommunikation brauchen. Wir schaffen damit ein Angebot, das Teilhabe ermöglicht, ohne dabei persönliche Daten zur Währung zu machen.“
Effiziente Umsetzung und Vorbildfunktion
Der Antrag sieht vor, dass die Inhalte, die die Stadt bereits auf Facebook und Instagram teilt, künftig auch auf Mastodon veröffentlicht werden. Erfahrungen aus anderen Städten, wie etwa Mainz, zeigen, dass die Präsenz auf Mastodon nicht nur machbar ist, sondern von der Bürgerschaft aufgrund der sachlichen Diskussionskultur aktiv eingefordert und geschätzt wird. CDU-Fraktionsvorsitzende Annette Brunert hebt die Bedeutung für den Standort Darmstadt hervor: „Wer Digitalstadt sein will, muss auch digitale Alternativen nutzen. Mit Mastodon erreichen wir effizient eine wichtige Zielgruppe in Darmstadt, die Wert auf Datenschutz legt. Das ist ein logischer Schritt, der gut zu unserer Stadt passt.“
Der Antrag wird in der kommenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 19. Februar 2026 abgestimmt und zuvor in den Ausschüssen diskutiert. Mit einer Zustimmung unternimmt Darmstadt einen weiteren Schritt in der Entwicklung zur souveränen Digitalstadt.