Statement zum großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten
Mitten im Winter. Ohne Heizung, Wasser, Aufzüge, Netz. Familien, Ältere, Kranke, Betriebe – alle trifft es. Wir möchten allen Betroffenen unser aufrichtiges Mitgefühl aussprechen.
Seit Samstag, den 3. Januar 2026, sind im Südwesten Berlins rund 45.400 Haushalte und über 2.000 Gewerbebetriebe vom Stromnetz abgeschnitten – in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Ursache war ein Brandanschlag an einer Kabelbrücke über dem Teltowkanal, der mehrere Hochspannungskabel beschädigte. Die vollständige Wiederherstellung der Versorgung wird nach Angaben des Netzbetreibers wohl erst am Donnerstag, den 8. Januar, gelingen. Nach einem nicht verifizierten Bekennerschreiben soll der Anschlag eine Abkehr von der fossilen Energiegewinnung erzwingen.
Was bedeutet das für die Menschen vor Ort?
Winter-Blackout wird Realität: Inmitten einer Kältewelle, mit Temperaturen deutlich unter null Grad, sitzen Familien in dunklen Wohnungen. Heizungen funktionieren nicht, weil Pumpen und Regeltechnik ohne Strom nicht laufen. Auch Fernwärme ist beeinträchtigt. Und das nicht stundenlang, sondern womöglich eine ganze Woche – mitten im Winter.
Kommunikation bricht zusammen: WLAN, Mobilfunk und Notrufe sind instabil oder offline.
Alltag kommt zum Erliegen: Aufzüge bleiben stehen, automatische Rollläden öffnen sich nicht, Schulen und Kitas schließen, Betriebe stehen still.
Risiko für Schwache steigt: Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Menschen mit besonderen Bedürfnissen sind besonders gefährdet.
Wir verurteilen den Brandanschlag. Gewalt wird nichts zum Besseren wandeln. Wir stehen in aufrichtiger Solidarität an der Seite aller Betroffenen. Unser Dank gilt den Rettungskräften, Feuerwehr, THW - allen ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Helfer*innen, die mit Notunterkünften, warmen Duschen und Powerbanks Menschen Sicherheit und Wärme schenken – und all jenen Nachbar*innen in Berlin und Brandenburg, die spontan helfen.
Aber: Eine vorausdenkende Politik, die mehr in Sicherheit investiert, kann das nicht ersetzen. Dieser Anschlag ist kein Einzelfall. Bereits im September 2025 kam es zu einem großflächigen Stromausfall durch einen ähnlichen Brandanschlag.
Und wieder steht fest:
Unsere kritische Infrastruktur ist nicht ausreichend geschützt.
Redundanzen und Notfallpläne fehlen.
Technische Taskforces oder schnelle Ersatzkapazitäten existieren nicht in ausreichendem Maße.
Betroffene wurden teilweise per SMS auf Informationen im Internet verwiesen – ausgerechnet in einer Lage, in der das Netz in großen Teilen ausgefallen ist. Dass ein derart schwerer Vorfall die Berliner Politik erneut völlig unvorbereitet trifft, ist alarmierend – und für die Menschen, die jetzt in Dunkelheit, Kälte und Unsicherheit ausharren müssen, schlicht inakzeptabel.
Wir fragen:
Wie viele weitere Warnschüsse braucht es, bis Berlin und Deutschland seriöse Resilienzstrategien für kritische Infrastruktur entwickeln und umsetzen?
Wann investiert Berlin systematisch in Redundanzen, schnelle Notfallversorgung und klare Evakuierungs-, Versorgungs- und Kommunikationskonzepte?
Volt fordert:
Sofortiges Investitionsprogramm zur Absicherung und Modernisierung kritischer Infrastruktur.
Mehr Resilienz bei Strom, Telekommunikation und Wärmeversorgung.
Klare Verantwortlichkeiten für den Schutz kritischer Infrastruktur.
Einbindung der Zivilgesellschaft in Notfallplanung und Krisenkommunikation.
2026 haben die Berliner*innen die Wahl:
Stillstand oder Verantwortung.
Politik, die reagiert, oder Politik, die vorbereitet ist.
Vertrauen zurückgewinnen – oder weiter zusehen, wie Grundversorgung zur Glückssache wird.
Es ist Zeit für pragmatische, zukunftsweisende Politik – für ein Berlin, das nicht bei jedem Anschlag in die Knie geht, sondern vorbereitet ist.