Meine Gedanken zu den Wahlergebnissen der Stadtverordnetenwahl in Darmstadt

Autorin: Nelly Schmidt

Unsere Schülerpraktikantin Nelly hat sich mit den Ergebnissen der Darmstädter Wahl zur Stadtverordnetenversammlung auseinandergesetzt und teil in diesem Blogbeitrag ihre Einschätzungen und Gedanken mit euch.

2. Apr 2026
Balkendiagramm der Ergebnisse der Darmstädter Stadtverordnetenwahl, das auf einem Laptop angezeigt wird (KI-generiertes Bild)

Das Erste, was sofort auffällt, ist, dass das Bündnis 90/Die Grünen mit einem deutlichen Vorsprung die meisten Stimmen bekommen hat. Mit rund 23 % liegen sie klar vor den anderen großen Parteien, die sich jeweils im Bereich von etwa 15 % bewegen. Auch kleinere, links ausgerichtete Parteien, wie Die Linke und Volt haben mit 10 % ein gutes Ergebnis erzielt. Beide konnten sich im Vergleich zu vorherigen Wahlen jeweils um rund 3 % steigern.

Das Ergebnis deutet insgesamt darauf hin, dass die Wähler:innenschaft in Darmstadt eher links-progressiv ausgerichtet ist, wobei sich diese Stimmen aus mehreren Parteien innerhalb dieses Spektrums verteilen. Rechte Parteien wie die AfD haben dagegen nur knapp 8,5 % der Stimmen erhalten. Gleichzeitig ist es jedoch beunruhigend, dass die AfD im Vergleich zu vorherigen Wahlen etwa 4 % der Wähler:innen dazugewinnen konnte. Das zeigt, dass sie auch in einer eher links geprägten Stadt an Zustimmung gewinnt, was sich in Zukunft weiter verstärken könnte. 

Inhaltlich gibt es zwischen den Grünen, Die Linke und Volt inhaltliche Überschneidungen in den Bereichen Klimaschutz, Gesellschaftspolitik und Europa. Diese Themen scheinen daher für viele Bürger:innen in Darmstadt eine wichtige Rolle zu spielen.

Zudem kann man vermuten, auch wenn es sich nicht belegen lässt, dass ein Teil der Verluste der Grünen an Parteien wie Volt oder Die Linke gegangen sein könnte. Da Darmstadt als Wissenschafts- und Studierendenstadt gilt, ist die Wähler:innenschaft vergleichsweise jung und akademisch geprägt, was sich häufig in höheren Stimmenanteilen für progressive Parteien zeigt. Studien zeigen außerdem, dass insbesondere jüngere Wähler:innen sowie auffallend häufig Frauen dazu neigen, Parteien aus dem mittleren bis linken politischen Spektrum zu unterstützen. 

Außerdem erreicht die bisherige Koalition aus den Grünen, der CDU und Volt keine absolute Mehrheit mehr. Zusammen kommen sie nur auf knapp 48 %. Es muss also eine weitere Partei, wie beispielsweise die SPD oder die FDP, hinzugezogen werden, oder es bildet sich eine komplett neue Koalition. Allerdings kommt die AfD allgemein nicht als Koalitionspartner infrage, und auch eine Zusammenarbeit mit der Linken wird von Seiten der CDU abgelehnt. Die möglichen Koalitionen sind daher eingeschränkt. Anhand der neuen Ergebnisse lässt sich erkennen, dass sich für Volt weiterhin die Chance ergibt, als Impulsgeber in Darmstadt zu wirken. 

Vergleicht man die Wahlergebnisse aus Darmstadt mit denen aus meinem Wohnort Mühltal, fällt auf, dass die Wähler:innenschaft auch dort eher mittig bis links ausgerichtet ist. Rechte Parteien wie die AfD traten bei der Gemeindewahl gar nicht an. Stattdessen erhielt die CDU mit etwa 33 % die meisten Stimmen, doch auch Parteien wie die Grünen (24 %) und Die Linke (6 %) sind vergleichsweise stark vertreten.

Zusätzlich fällt auf, dass die SPD in Mühltal mit 15 % ein solides Ergebnis erzielt hat und damit ähnlich stark ist wie die großen Parteien in Darmstadt. Das zeigt, dass sie sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum eine stabile Wähler:innenbasis hat.  

Dieses Ergebnis finde ich einerseits erfreulich, da auch im ländlichen Raum progressive Positionen vertreten sind. Andererseits überrascht es mich, da man in ländlichen Regionen häufig eine stärkere Unterstützung konservativer Parteien erwarten würde. 

Für mich als Schülerin hat das Wahlergebnis auch konkrete Auswirkungen auf meinen Alltag und meine Zukunft. Entscheidungen auf kommunaler Ebene betreffen zum Beispiel Schulen, den öffentlichen Nahverkehr oder Freizeitangebote direkt. Wenn Parteien, die sich für Klimaschutz, Digitalisierung und gesellschaftliche Offenheit einsetzen, stärker vertreten sind, kann sich das auch in diesen Bereichen widerspiegeln. Gleichzeitig zeigt das Ergebnis aber auch, dass politische Entwicklungen nicht selbstverständlich sind. Gerade der Stimmenzuwachs der AfD macht deutlich, dass man sich auch als junger Mensch mit politischen Themen auseinandersetzen und eine eigene Meinung bilden sollte 

Auch die Wahlbeteiligung ist ein wichtiger Aspekt. In Darmstadt lag sie bei rund 58,28 %, während sie in Mühltal mit 65,61 % deutlich höher war. Das könnte darauf hindeuten, dass sich in kleineren, ländlicheren Gemeinden mehr Menschen an Wahlen beteiligen als in größeren Städten

Gleichzeitig finde ich, dass die Wahlbeteiligung ein wichtiger Indikator dafür ist, wie sehr sich Menschen für Demokratie interessieren und einsetzen. Auch wenn sie in Darmstadt niedriger als in Mühltal ist, zeigt sie dennoch, dass ein großer Teil der Bevölkerung wählen geht. Ich halte es für wichtig, dass möglichst viele Menschen ihr Wahlrecht nutzen, da politische Entscheidungen letztendlich den Alltag aller betreffen, auch meinen als Schülerin. Gerade deshalb sollte man sich früh mit politischen Themen auseinandersetzen und aktiv an demokratischen Prozessen teilnehmen.