Hygiene als Standard: Notfallversorgung mit kostenfreien Menstruationsartikeln im Stadtbezirk Rodenkirchen beschlossen
> Kostenfreie Menstruationsartikel stehen künftig in städtischen Gebäuden, Schwimmbädern und der Stadtteilbibliothek Rodenkirchen bereit.
> Die Volt-Initiative für das einjährige Pilotprojekt wurde von SPD, Grünen, FDP/KSG und Linken unterstützt sowie einstimmig bei Enthaltung von CDU und AfD beschlossen.
> Diese praktische Daseinsvorsorge schließt eine Lücke in der lokalen Hygieneinfrastruktur und schützt vor gesundheitlichen Risiken wie dem Toxischen Schocksyndrom (TSS).
Köln, 25. September 2026 – Die Bezirksvertretung Rodenkirchen hat in ihrer Sitzung vom 21. September 2026 einen Beschluss für die kommunale Daseinsvorsorge gefasst. Auf Initiative der Einzelmandatsträgerin Lucia Hinsen (Volt) werden in allen öffentlich zugänglichen Verwaltungsgebäuden, den öffentlichen Schwimmbädern sowie der Stadtteilbibliothek des Stadtbezirks künftig kostenfreie Menstruationsartikel zur Notfallversorgung bereitgestellt.
Der Antrag stieß auf breite politische Unterstützung: Die Fraktionen der SPD, von Bündnis 90/Die Grünen, der FDP/KSG-Fraktion sowie Die Linke traten dem Volt-Antrag offiziell bei. Der Beschluss erfolgte schließlich einstimmig bei Enthaltung von CDU und AfD.
Einjähriges Testprojekt für pragmatische Daseinsvorsorge
Das Vorhaben startet als einjährige Pilotphase, um den tatsächlichen Bedarf, den Verbrauch sowie den logistischen Aufwand für die Verwaltung präzise zu evaluieren. Die Bestückung soll über einfache, mechanische Spendersysteme oder im Rahmen der bestehenden Gebäudebewirtschaftung erfolgen, um Missbrauch vorzubeugen und die Kosten gering zu halten. Um den Zugang für alle Menstruierenden niederschwellig zu gestalten, ist die Anbringung in Sanitärräumen oder geeigneten Flurbereichen vorgesehen.
Schulen im Bezirk sind von dieser Regelung vorerst ausgenommen, da die Versorgung an Kölner Schulen derzeit separat im Gleichstellungsausschuss der Stadt behandelt wird.
Gesundheitsschutz, Chancengleichheit und Alltagsrelevanz
In der Antragsbegründung wird hervorgehoben, dass Menstruationsartikel keine Kosmetikprodukte darstellen, sondern essenziell für die Infektionsprophylaxe sind. Wenn die Menstruation unvorhergesehen oder unregelmäßig unterwegs einsetzt – etwa bei Erkrankungen wie Endometriose oder in den Wechseljahren –, wird mangels Alternativen häufig Toilettenpapier als Notlösung genutzt. Dies birgt erhebliche gesundheitliche Risiken wie bakterielle Entzündungen oder das Toxische Schocksyndrom (TSS).
„Seife, Papiertücher und Toilettenpapier stehen in städtischen Gebäuden ganz selbstverständlich zur Verfügung. Menstruationsartikel gehören genauso zur Grundversorgung. Dass der Bedarf an Notfallversorgung wächst, belegen Initiativen wie Tampagne, die uns im Vorfeld schnell und unkompliziert mit Informationen unterstützt haben. Uns geht es nicht darum, den Monatsbedarf abzufangen, sondern um eine pragmatische Hilfe im Alltag – frei nach dem Motto: 'Life is what happens while you're busy making other plans'.“, betont Volt-Mandatsträgerin Lucia Hinsen.
Synergien durch Kölner Vorerfahrungen
Mit der Entscheidung knüpft der Stadtbezirk Rodenkirchen an vorausgegangene Kölner Ratsinitiativen an. Durch die überparteilichen Vorstöße der vergangenen Jahre kann die Verwaltung auf bestehende Erfahrungswerte, Beschaffungswege und Logistikstrukturen zurückgreifen.
Erfahrungen aus anderen Kommunen und früheren Pilotprojekten zeigen zudem, dass Befürchtungen bezüglich Vandalismus oder unkontrollierter Entnahme unbegründet sind – ein anfänglicher Neuheitseffekt nimmt erfahrungsgemäß nach kurzer Zeit rasch ab.