Kreisverkehre – besser für Leib und Leben

“Kreisverkehre reduzieren grundsätzlich schwere und tödliche Unfälle denn die Umgestaltung eines Kreisverkehrs zu einer Kreuzung führt zwangsläufig zu höheren Geschwindigkeiten insbesondere der Kraftfahrzeuge und damit unweigerlich zu schwerwiegenderen Verletzungsfolgen” sagt Dr. Jürgen Wiegand von der Partei Volt, der über 20 Jahre als Verkehrssicherheitsexperte tätig war.

14. Aug 2026

"Den Kurvenradius des Kreisverkehrs durchfährt man meist so, dass kein Unwohlsein auftritt und die Lenkbewegungen nicht zu heftig werden. Eine Seitenbeschleunigung von knapp einem Drittel des Körpergewichts, ist hier bereits ein Grenzwert”, so Dr. Jürgen Wiegand. “Im Mühlentorteller würde das grob etwa zu maximal 20 km/h führen. Ein- und Ausfahrten sowie eine umsichtige Fahrweise reduzieren die Geschwindigkeit zusätzlich bereits bei leichtem Verkehrsaufkommen.”

Dieser Umstand wirkt sich besonders günstig für die sogenannten ungeschützten Verkehrsteilnehmenden aus, also zu Fuß gehende und Fahrradfahrende. Bei einer Kollision mit einem Pkw und bei 50 km/h sind hier 9 von 10 Menschen tot. Bereits bei 30 km/h reduziert sich das auf 1 von 10 Personen.

Aber selbst bei einer auf 30 km/h begrenzten Ampelkreuzung muss von Unfällen ausgegangen werden, die bei höheren Geschwindigkeiten passieren werden. Präziser: “Unfälle passieren nicht! Unfälle werden herbeigeführt; nicht absichtlich, aber durch das Verhalten und die Verhältnisse”, so Dr. Jürgen Wiegand.

Ein Kreisverkehr wirkt sich auf beides positiv aus, so dass bei einem Umbau von einer Ampelkreuzung zu einem Kreisverkehr im Allgemeinen mit einer Reduktion der Unfälle um bis zu 80% gerechnet wird. Ebenso wird die Verletzungsschwere der ungeschützten Verkehrsteilnehmenden drastisch reduziert. Damit unterstützt ein Kreisverkehr auch die Vision Zero - keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr. Dies ist mittlerweile auch das in der Straßenverkehrsordnung und seinen Verwaltungsvorschriften verankerte priorisierte Ziel; natürlich immer konkurrierend mit der Flüssigkeit des Verkehrs - die aber auch für alle Verkehrsteilnehmende zu berücksichtigen ist.

Äußerst irritierend an den Planungsunterlagen der Stadt ist die mehrfach angeführte und immer wieder hervorgehobene Begründung, die schulische Verkehrssicherheit mit dem Umbau zur Ampelkreuzung verbessern zu wollen. “Jeder ist doch mal zur Schule gegangen: Der Schulweg war von jeher ein zeitkritisches Unterfangen. Rotlichtverstöße sind daher mehr als vorhersehbar”, meint Jürgen Wiegand. “Zwar ist die Schuldfrage dann eindeutig, aber das kann doch nicht unser Ernst sein! Wir sollten Kinder nicht Risiken aussetzen, nur weil wir die Zusammenhänge nicht berücksichtigen wollen. Das Thema Klima lässt grüßen!” Eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gem. §47 f GO sieht die Verwaltung übrigens schon deshalb als ersatzweise gegeben, da der „Runde Tisch Radverkehr“ sich hierzu äußern kann und neben vielen anderen hierin auch das Stadtschülerparlament vertreten ist.

Das Schulwege-Aufkommen ist darüber hinaus zeitlich äußerst begrenzt, die Ampeln zur Steuerung des Kreuzungsverkehrs brauchen wir dann aber rund um die Uhr und 7 Tage die Woche. “Wer will schon an einer roten Ampel stehen, wenn sonst nichts passiert?”, fragt Jürgen Wiegand.

Im Endeffekt geht es vielmehr darum, wie der Kreisverkehr gestaltet werden kann, um den Zielsetzungen ausgewogen entsprechen zu können. “Wenn hierzu jeweils zeitbegrenzt Lichtzeichen sinnvoll sein sollten, die Verkehrsströme zu lenken, dann funktioniert der Kreisel aber davon unabhängig am Rest des Tages”, so Jürgen Wiegand. “Auch zukünftige Entwicklungen bzw. Verkehrsträger sollten in den Planungen berücksichtigt werden; Stichwort Radlogistik bzw. Lastenfahrräder.”

Gesetzliche Unfallversicherung, Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft und Bundesanstalt für Straßenwesen bewerten Kreisverkehre übereinstimmend als sichere Knotenpunktform. 1952 wurde dieser am Mühlentor zum Kreisverkehr - geradezu wegweisend für die Adenauerjahre!

Dr. Jürgen Wiegand
war 20 Jahre als Verkehrssicherheitsexperte der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung tätig
und ist seit 1 1/2 Jahren Parteimitglied bei VOLT

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Jürgen Wiegand: +49 1522 392 6923
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