Ein Sommer der Rekorde – Notizen von der 10. Gesundheitskonferenz

„Hitzeschutz für alle" war das Thema der zehnten Gesundheitskonferenz des Landkreises Goslar am 28. Oktober im Kreishaus. Gastredner war der Kieler Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif. Wir waren dabei – hier das Wichtigste.

1. Nov 2026
Hitzeschutz im Landkreis Goslar

Die Zahlen

Latifs Bilanz des Sommers 2026 fiel deutlich aus. 41,8 Grad – die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur, erfasst vom Deutschen Wetterdienst Ende Juni in Sachsen-Anhalt. 29,4 Grad – die wärmste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, gemessen in Ostsachsen. Und rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland, geschätzt vom Robert Koch-Institut für den Zeitraum April bis September. Zum Vergleich: Die bisherigen Höchstwerte lagen 1994 und 2003 bei jeweils etwa 10.200.

Rund 90 Prozent der Betroffenen waren älter als 65 Jahre, etwa die Hälfte älter als 85. Hitze wirkt wie ein Verstärker – sie trifft die, die ohnehin angeschlagen sind. Und sie ist kein Großstadtproblem: Auch der Harz blieb von Hitzewellen, Trockenheit und Vegetationsbränden nicht verschont.

Was hilft, ist unspektakulär

Bäume, begrünte Dächer, entsiegelte Flächen, Verschattung und Dämmung an Schulen, Kitas und Pflegeheimen. Die Fachleute auf der Konferenz waren in diesem Punkt eindeutig: Bauliche Maßnahmen wirken stärker als Appelle und Verhaltenstipps. Latif sprach davon, dass wir „so etwas wie eine Schwamm-Stadt" brauchen – Flächen, die Feuchtigkeit speichern und die Hitze abmildern.

Dass das nicht an Erkenntnis scheitert, machte er an einem Beispiel klar: Für den Berliner Gendarmenmarkt war einst ein Platz voller Bäume geplant. Bis heute steht dort kein einziger – unter anderem wegen Veranstaltungen und Denkmalschutz. Sein Fazit: Man müsse hier einen Kompromiss finden. In einer Welterbestadt wie Goslar ist das keine rein Berliner Frage.

Wo der Landkreis schon weiter ist

Fairerweise gehört dazu auch das: Beim Rettungsdienst ist der Landkreis Goslar weiter als viele andere. Seit Februar sitzt hier die landesweite Fachstelle für Telenotfallversorgung, finanziert vom Land Niedersachsen – weil der Landkreis bei der Entwicklung und Erprobung der Telenotfallmedizin in Niedersachsen federführend war. Dr. Tobias Steffen, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes, zeigte auf der Konferenz, was das für Hitze-Notfälle bedeutet.

Unser Fazit

Latifs Schlusssatz, für den es langen Applaus gab, war kein Alarmruf, sondern eine Zumutung an die Politik: „Wir haben die Technologie und wissen, wie es geht. Wir müssen es nur wollen."

Für uns heißt das vor allem eines: Hitzeschutz entscheidet sich nicht auf Weltklimakonferenzen, sondern in Bauausschüssen, Sanierungsplänen und Haushalten. Seit heute, dem 1. November, ist Volt im Kreistag und in den Räten von Goslar, Seesen und Clausthal-Zellerfeld vertreten. Wir nehmen das Thema mit.

Du arbeitest in der Pflege, an einer Schule oder im Rettungsdienst und erlebst das jeden Sommer? Dann schreib uns an [email protected] – wir hören zu.

Quellen: Höchsttemperatur und wärmste Nacht: Deutscher Wetterdienst, Juni 2026 (vorläufige Werte). Hitzebedingte Sterbefälle und Altersverteilung: Robert Koch-Institut, Schätzung für den 6. April bis 13. September 2026 (plausible Spanne 14.400–17.600). Vorträge und Zitate: 10. Gesundheitskonferenz des Landkreises Goslar am 28.10.2026, Berichterstattung der Goslarschen Zeitung. Fachstelle Telenotfallversorgung: Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport.