Hitzesommer 2026: Volt-Anfrage liefert erstmals konkrete Zahlen für Mainz
Mehr Notrufe und Rettungsdiensteinsätze während der Hitzewelle – Sterbefallzahlen lagen knapp 37 Prozent über dem Vergleichswert der Vorjahre
Mainz, 08. September 2026 – Wie hat sich der Hitzesommer 2026 konkret auf Mainz ausgewirkt? Eine Anfrage der Volt-Stadtratsfraktion liefert dazu erstmals eine Reihe lokaler Zahlen. Die Antwort der Stadt zeigt insbesondere während der Hitzewelle Ende Juni eine deutlich höhere Inanspruchnahme von Rettungsdienst und Notruf. Auch die Zahl der in diesem Zeitraum beurkundeten Sterbefälle lag über dem Durchschnitt der Vorjahre. Die Stadt kündigt nun eine genauere Auswertung gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Mainz-Bingen an.
Vom 18. bis 28. Juni lagen die Höchsttemperaturen in Mainz elf Tage in Folge über 30 Grad. Eine vergleichbar lange Hitzeperiode zu einem so frühen Zeitpunkt im Jahr war nach Angaben der Stadt weder an der Wetterstation der Johannes Gutenberg-Universität noch an der DWD-Station Mainz-Lerchenberg zuvor beobachtet worden.
Die Antwort der Verwaltung zeigt unter anderem:
In der Woche vom 22. bis 28. Juni wurden 4.426 Notrufverbindungen über die 112 registriert. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 2.984 – rund 48 Prozent weniger.
Die Einsätze mit Feuerwehrbeteiligung stiegen im selben Vergleich von 419 auf 588, also um rund 40 Prozent.
An den besonders heißen Tagen vom 26. bis 28. Juni wurden 472 Rettungsdiensteinsätze registriert, gegenüber 300 an denselben Tagen 2025.
Davon wurden 46 Einsätze als hitzebedingt erfasst. Im Vergleichszeitraum 2025 war es ein Einsatz.
Die Zahl der hilfeleistungsfristrelevanten Notfalleinsätze stieg an diesen drei Tagen von 98 auf 190.
„Uns war mit der Anfrage wichtig, nach diesem Sommer nicht nur über Hitze zu sprechen, sondern zu schauen, was sich tatsächlich anhand lokaler Daten feststellen lässt. Die Antwort liefert dafür erstmals ein ziemlich konkretes Bild. Darauf können wir aufbauen, um den Mainzer Hitzeschutz gezielt weiterzuentwickeln“, sagt Sascha Kolhey, Fraktionsvorsitzender von Volt im Mainzer Stadtrat.
Sterbefälle: knapp 37 Prozent über dem Durchschnitt der Vorjahre
Auf die Anfrage von Volt hat das Standes-, Rechts- und Ordnungsamt außerdem die Zahl der beurkundeten Sterbefälle zwischen dem 18. Juni – dem Tag der ersten Hitzewarnung – und dem 5. Juli ausgewertet.
Von 2021 bis 2025 wurden in diesem Zeitraum durchschnittlich 8,478 Sterbefälle pro Tag beurkundet. 2026 waren es 11,61 pro Tag. Damit lag die Zahl um 36,94 Prozent über dem Durchschnitt der fünf Vorjahre.
Volt weist ausdrücklich darauf hin, dass daraus nicht geschlossen werden kann, dass die zusätzlichen Sterbefälle durch die Hitze verursacht wurden. Die Verwaltung plant deshalb für den Herbst gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Mainz-Bingen eine genauere Auswertung. Soweit möglich sollen dabei unter anderem Alter, Vorerkrankungen und lokale Schwerpunkte betrachtet werden.
„Bei den Sterbefallzahlen ist uns eine sachliche Einordnung wichtig. Wir sehen eine auffällige Abweichung im betrachteten Zeitraum, kennen aber noch nicht die Ursachen. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich, dass die Stadt gemeinsam mit dem Gesundheitsamt genauer hinschauen will“, so Kolhey.
Auch aus dem ersten Sommer mit dem neuen Hitzeaktionsplan ergeben sich konkrete Erkenntnisse. Nach Angaben der Verwaltung waren insbesondere alleinlebende ältere Menschen schwer zu erreichen. Für die kommende Saison wird deshalb unter anderem geprüft, bei längeren Hitzeperioden klimatisierte Räume insbesondere in der Neu- und Altstadt zur Verfügung zu stellen.
„Das ist für uns der entscheidende nächste Schritt: aus den Erfahrungen dieses Sommers lernen. Wenn wir besser wissen, wann und wo gesundheitliche Belastungen auftreten und welche Menschen bisher schwer erreicht werden, können wir die vorhandenen Maßnahmen zielgerichteter einsetzen“, erklärt Kolhey.
Die vollständige Anfrage und die Antwort der Stadt: https://bi.mainz.de/to0050.php?__ktonr=127621