Niederländischer Wasserwirtschaftsexperte Dr. Gerard Stroomberg zu Gast in Leverkusen
PFAS aus Leverkusen gefährden Trinkwasserressourcen von fünf Millionen Menschen in den Niederlanden
Volt fordert vier konkrete Maßnahmen für besseren Gewässerschutz
Vortrag von Dr. Gerard Stroomberg, Direktor der niederländischen Vereinigung der Rheinwasserwerke (RIWA-Rijn) in Hitdorf
Die toxischen Ewigkeitschemikalien PFAS (per- und polyfluorierte Alkyl-Verbindungen) machen an Landesgrenzen nicht Halt. Was in Leverkusen in den Rhein gelangt, betrifft nicht nur die Menschen und Gewässer vor Ort, sondern die Trinkwasserversorgung flussabwärts. Rund fünf Millionen Menschen in den Niederlanden sind auf Rheinwasser als Trinkwasserressource angewiesen.
Anlässlich der Veranstaltung „PFAS im Rhein – Gewässerschutz im Fokus“ vom Volt City Team Leverkusen sprach Dr. Gerard Stroomberg, Direktor der niederländischen Vereinigung der Rheinwasserwerke RIWA-Rijn, in Leverkusen über die Belastung des Rheins und die Herausforderungen für die Trinkwasserversorgung. Im Anschluss diskutierten Dr. Stroomberg, Paul Kröfgen, Wasserexperte des BUND, Tessa Beeloo, Fraktionsvorsitzende von Volt im Provinzialparlament von Zuid-Holland (Südholland) und Andrea Fuchs, Volt Leverkusen, über konkrete Handlungsmöglichkeiten.
„Der Rhein ist keine deutsche Angelegenheit. Was hier eingeleitet wird, kommt flussabwärts an. Deshalb brauchen wir beim Wasserschutz einen konsequenten Blick auf die gesamte Flussregion – von Leverkusen bis in die Niederlande“, betonte Andrea Fuchs.
RIWA-Rijn hatte die Bezirksregierung Köln bereits im April 2026 zu zusätzlichen Maßnahmen gegen PFAS-Einleitungen aus der Kläranlage Leverkusen-Bürrig aufgefordert. Nach Auswertung der Messdaten stellt RIWA-Rijn insbesondere bei PFBS dauerhafte Überschreitungen von Orientierungswerten und teilweise deutliche Belastungsspitzen fest. Die Vereinigung fordert eine strengere Behandlung des Abwassers und verbesserte Messungen.
Auch die Antwort der Stadt Leverkusen auf eine Anfrage der Fraktion Volt/BÜRGERLISTE vom 2. Juni 2026 zeigt politischen Handlungsbedarf. Die Verwaltung verweist bei wesentlichen Fragen auf die Zuständigkeit der Bezirksregierung Köln beziehungsweise des Landes. Gleichzeitig erklärt sie, dass eine zusätzliche Schadstoffentfrachtung grundsätzlich unterstützt werde. Eine aktive Information der Öffentlichkeit über PFAS-Belastungen und Messergebnisse sei dagegen nicht vorgesehen.
Die Stadt Leverkusen darf sich nicht allein auf die Zuständigkeiten anderer Behörden zurückziehen. Leverkusen muss seine Interessen beim Schutz von Rhein und Trinkwasserressourcen aktiv vertreten.
Dafür fordert Volt Leverkusen vier konkrete Maßnahmen:
1. PFAS an der Quelle entfernen
Das belastete Deponiesickerwasser der Deponie Bürrig muss vor seiner Einleitung wirksam behandelt werden. Die Currenta GmbH & Co. OHG arbeitet nach eigenen Angaben bereits an Behandlungsverfahren zur Reduzierung der PFAS-Frachten. Aus Sicht von Volt muss daraus nun ein verbindlicher und überprüfbarer Plan werden. Ziel muss sein, PFAS gar nicht erst in den Rhein gelangen zu lassen. RIWA-Rijn fordert ebenfalls Maßnahmen an der Quelle und den Einsatz verfügbarer Techniken.
2. Häufiger und gezielter messen
Einzelne Messungen reichen nicht aus, wenn Belastungsspitzen auftreten können. Volt fordert eine deutlich höhere Messfrequenz sowie zusätzliche Messungen bei auffälligen Ereignissen und während der Erprobung neuer Behandlungsverfahren. Nur so lässt sich erkennen, wann und in welchem Umfang PFAS in den Rhein gelangen.
3. Messwerte transparent veröffentlichen
Die vorhandenen Daten müssen verständlich, vollständig und zeitnah öffentlich zugänglich sein. Volt fordert deshalb ein transparentes PFAS-Monitoring für Leverkusen mit Messwerten, Messzeitpunkten, Frachten und der Entwicklung über die Zeit. Transparenz darf nicht erst auf Nachfrage entstehen.
4. Verantwortung gemeinsam wahrnehmen
Volt Leverkusen fordert einen regelmäßigen PFAS-Runden Tisch mit der Stadt Leverkusen, der Bezirksregierung Köln, dem LANUK, der Currenta GmbH & Co. OHG, der EVL und den weiteren relevanten Fachstellen. Wenn Zuständigkeiten verteilt sind, braucht es umso mehr Zusammenarbeit. Die Stadt muss gegenüber den zuständigen Landesbehörden aktiv darauf hinwirken, dass die Belastung des Rheins an der Quelle reduziert wird.
„Wir wollen keine Diskussion darüber, wer gerade zuständig ist, sondern darüber, was jetzt konkret getan werden kann. Filtern, häufiger messen, offenlegen und Verantwortung übernehmen – darum geht es“, erklärt Kai Riedel, Ratsherr Volt Leverkusen.
Dr. Gerard Stroomberg betont seit Jahren die Bedeutung eines vorsorgeorientierten Schutzes des Rheins. RIWA-Rijn weist darauf hin, dass PFAS in der Umwelt nur sehr schwer abgebaut werden und dass eine immer aufwendigere Reinigung des Wassers am Ende der Kette die Vermeidung der Einleitungen nicht ersetzt.
„Die zentrale Botschaft des Vortrags war klar! Die Verschmutzung muss an der Quelle bekämpft werden. Besonders kurzkettige PFAS starten von Leverkusen aus ihre Reise rheinabwärts Richtung Niederlande und belasten dort das Trinkwasser, deshalb müssen auch die Lösungen grenzüberschreitend gedacht werden“, Andrea Fuchs, Umweltpolitische Sprecherin Volt Leverkusen.
Externer Link zum Jahresbericht 2025 von RIWA-Rijn
Externer Link zum Bericht im Leverkusener-Anzeiger vom 28.09.2026