Samuel Scholz aus Wuppertal ist 29 Jahre alt und Musiker. Er ist Co-City Lead Volt Wuppertal und Mitglied im Wuppertaler Beirat der Menschen mit Behinderung. Er kandidiert für Volt im Landtagswahlkreis 33 - Wuppertal II (West) und auch auf dem Listenplatz 26 unserer NRW-Landesliste.
Interview Fragen:
Persönlicher Einstieg
1. Was bewegt dich persönlich dazu, für Volt bei der Landtagswahl zu kandidieren?
Ich möchte Politik wieder nahbarer machen und dazu beitragen, dass Menschen wieder mehr Vertrauen in Politik und ihre demokratischen Institutionen haben. Politik darf nicht nur aus komplizierten Debatten und Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg bestehen. Sie muss zuhören, Probleme verstehen und konkrete Lösungen schaffen. Genau dafür möchte ich mich bei Volt einsetzen.
2. Gab es einen bestimmten Moment oder ein Erlebnis, bei dem du gedacht hast: Ich möchte Politik nicht nur beobachten, sondern selbst gestalten?
Für mich war irgendwann klar, dass ich nicht länger nur zuschauen möchte, wie unsere Gesellschaft auseinanderdriftet. Wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Sexualität, ihrer Behinderung oder ihrer Lebensweise diskriminiert werden und gleichzeitig demokratische und progressive Werte zunehmend unter Druck geraten, reicht es für mich nicht, darüber nur zu sprechen. Ich möchte selbst Verantwortung übernehmen und daran mitarbeiten, dass unsere Gesellschaft offen, solidarisch und zukunftsorientiert bleibt.
3. Was bringst du persönlich oder beruflich mit, das dir bei der Arbeit im Landtag helfen würde?
Ich glaube, dass ich vor allem zwei Dinge mitbringe: Kreativität und die Fähigkeit, mich schnell auf neue Situationen einzustellen. Als Rapper und Songwriter bin ich es gewohnt, neue Perspektiven einzunehmen und aus scheinbar unterschiedlichen Dingen etwas Neues zu entwickeln. In der Politik hilft mir das dabei, nicht bei einem Problem stehenzubleiben, sondern nach konkreten und manchmal auch unkonventionellen Lösungen zu suchen. Gleichzeitig kann ich mich schnell in neue Themen einarbeiten und mich auf unterschiedliche Menschen und Situationen einstellen.
Politische Ziele
4. Welche drei Themen möchtest du im Landtag unbedingt voranbringen – und warum gerade diese?
Meine drei großen Schwerpunkte sind soziale Gerechtigkeit, Bildung und Barrierefreiheit.
Soziale Gerechtigkeit ist für mich die Grundlage einer Gesellschaft, in der nicht die Herkunft oder der Geldbeutel darüber entscheidet, welche Chancen ein Mensch im Leben bekommt.
Bildung ist für mich der Schlüssel für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit. Wir müssen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft die bestmöglichen Chancen geben und Bildung stärker an ihren individuellen Bedürfnissen ausrichten.
Und Barrierefreiheit ist für mich kein Spezialthema für eine kleine Gruppe. Sie macht unser Land für alle Menschen besser. Ob abgesenkter Bordstein, verständliche Informationen, digitale Zugänge oder barrierefreie Gebäude: Eine zugängliche Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der mehr Menschen selbstbestimmt teilhaben können.
5. Stell dir vor, deine Zeit im Landtag wäre vorbei: Was müsste sich in NRW verändert haben, damit du sagen kannst, dass sich deine Kandidatur gelohnt hat?
Ich möchte, dass wir bei Bildung einen echten Systemwechsel geschafft haben: hin zu einer inklusiven, chancengerechten und individuellen Bildung, die Kinder und Jugendliche nicht nach einem starren Schema bewertet, sondern ihre unterschiedlichen Stärken und Bedürfnisse ernst nimmt.
Wenn ein Kind nicht mehr von seiner sozialen Herkunft abhängig ist, wenn Schulen echte Unterstützung bekommen und Menschen mit Behinderungen selbstverständlich dazugehören, dann wäre für mich sehr viel erreicht.
Mein Ziel ist ein NRW, in dem Menschen nicht danach beurteilt werden, woher sie kommen oder welche Voraussetzungen sie mitbringen, sondern danach unterstützt werden, was in ihnen steckt.
6. Wenn Geld, Bürokratie und politische Mehrheiten für einen Moment keine Grenzen setzen würden: Welches politische Traumprojekt würdest du für NRW verwirklichen?
Ich würde NRW innerhalb einer Generation vollständig barrierefrei machen. Nicht nur öffentliche Gebäude, sondern auch Straßen, Haltestellen, Bahnhöfe, Schulen, Arztpraxen, digitale Angebote und den öffentlichen Raum.
Barrierefreiheit sollte dabei nicht als nachträgliche Sonderlösung gedacht werden, sondern von Anfang an Teil jeder Planung sein. Mein Traum wäre ein NRW, in dem niemand mehr überlegen muss: „Komme ich dort überhaupt hinein?“
7. Wo braucht NRW aus deiner Sicht nicht nur kleine Verbesserungen, sondern einen echten politischen Neustart?
Ganz klar bei der Bildung. Wir können nicht ständig über einzelne kaputte Gebäude, fehlende Lehrkräfte oder neue Programme diskutieren und gleichzeitig so tun, als würde das Gesamtsystem funktionieren.
NRW braucht eine echte Bildungsreform, die Schulen langfristig finanziell und personell stärkt, Inklusion mitdenkt und unterschiedliche Bildungswege und Talente ernst nimmt. Dazu gehört auch, den Sanierungsstau bei unseren Schulen konsequent abzubauen.
Wir sollten aufhören, Probleme immer nur zu verwalten, und anfangen, Bildung langfristig neu zu denken.
Wuppertal
8. Welche Themen aus Wuppertal möchtest du mit nach Düsseldorf nehmen?
Ich möchte vor allem soziale Gerechtigkeit, Bildung, Barrierefreiheit und Housing First mit nach Düsseldorf nehmen. Dazu kommt für mich eine nachhaltige Lösung für die finanzielle Situation unserer Kommunen.
Wuppertal zeigt sehr deutlich, wie eng soziale Fragen, kommunale Finanzen und Lebensqualität miteinander verbunden sind. Wenn Kommunen dauerhaft kaum finanziellen Spielraum haben, leiden am Ende die Menschen vor Ort. Deshalb brauchen wir Lösungen, die Städten wie Wuppertal wieder mehr Luft zum Gestalten geben.
9. Wo wird Wuppertal aus deiner Sicht von der Landespolitik derzeit zu wenig gesehen oder unterstützt?
Ganz klar bei der Mobilität. Wuppertal ist auf eine funktionierende Bahnverbindung angewiesen. Wenn Verbindungen ausfallen, Baustellen sich verlängern oder Alternativen fehlen, merken das die Menschen unmittelbar in ihrem Alltag.
Gleichzeitig braucht Wuppertal beim Thema kommunale Finanzen mehr Unterstützung. Eine Stadt, die dauerhaft im Haushaltssicherungskonzept steckt, hat nur begrenzte Möglichkeiten, selbst zu gestalten und in ihre Zukunft zu investieren. Das kann auf Dauer nicht der Anspruch an eine starke Stadt in NRW sein.
Wir brauchen deshalb nicht nur kurzfristige Hilfen, sondern eine strukturelle Lösung, die Kommunen wieder Handlungsspielraum gibt.
10. Wenn du für Wuppertal ein einziges größeres Projekt auf Landesebene durchsetzen könntest – welches wäre das?
Ich würde in Wuppertal ein großes Bildungs- und Chancengleichheitsprogramm auf den Weg bringen. Dabei geht es mir nicht nur um sanierte Schulgebäude, sondern um moderne, inklusive Schulen, individuelle Förderung, bessere digitale Ausstattung und echte Unterstützung für Kinder und Jugendliche, die zusätzliche Hilfe benötigen.
Bildung entscheidet zu einem großen Teil darüber, welche Möglichkeiten Menschen später im Leben haben. Deshalb sollten wir gerade dort investieren, wo wir langfristig die größten Chancen schaffen können.
Volt und Europa
11. Was unterscheidet deine Kandidatur für Volt von einer Kandidatur für eine der etablierten Parteien?
Ich bin kein Berufspolitiker, Ich bin Künstler, politisch engagiert und kenne viele politische Themen nicht nur aus Papieren, sondern aus meinem eigenen Alltag und aus dem direkten Austausch mit Menschen.
Gleichzeitig glaube ich, dass Politik heute neue Perspektiven braucht. Volt bringt für mich genau diese Verbindung zusammen: progressive Ideen, europäisches Denken und den Anspruch, Probleme pragmatisch und evidenzbasiert zu lösen.
Ich möchte Politik nicht von oben erklären, sondern gemeinsam mit den Menschen gestalten, die von politischen Entscheidungen betroffen sind.
12. Volt denkt europäisch. Was bedeutet das ganz konkret für die Landespolitik in Nordrhein-Westfalen?
Für mich bedeutet europäische Politik vor allem: Wir müssen nicht jede Lösung selbst neu erfinden.
In Europa gibt es unglaublich viele Städte und Regionen, die bereits Lösungen für Herausforderungen entwickelt haben, vor denen NRW ebenfalls steht. Wir sollten stärker voneinander lernen, erfolgreiche Konzepte übernehmen und an unsere eigenen Bedingungen anpassen.
Europa ist für mich deshalb nicht nur ein Ort für große politische Debatten, sondern auch eine riesige Sammlung von Ideen, die unseren Alltag konkret besser machen können.
13. Wie können wir Europa im Alltag der Menschen in Wuppertal sichtbarer und greifbarer machen?
Indem Europa nicht nur auf Plakaten oder in Sonntagsreden stattfindet, sondern konkrete Verbesserungen im Alltag bringt.
Wir sollten erfolgreiche Lösungen aus anderen europäischen Städten nach Wuppertal holen und zeigen, wo europäisches Denken einen direkten Unterschied macht. Ob bei Mobilität, Wohnen, Bildung, Digitalisierung oder sozialer Politik: Europa kann ganz konkret bedeuten, dass etwas besser funktioniert.
Ich möchte, dass Menschen Europa nicht nur als Institution wahrnehmen, sondern als Teil ihres eigenen Alltags.
14. Gibt es eine Idee aus einer anderen europäischen Stadt oder Region, von der Wuppertal oder NRW lernen könnte?
Ein gutes Beispiel ist für mich Housing First, das insbesondere in Finnland sehr konsequent verfolgt wurde. Der Grundgedanke ist einfach: Menschen bekommen zuerst eine stabile Wohnung und können darauf aufbauend weitere Probleme angehen.
Das stellt einen Perspektivwechsel dar. Wohnungslosigkeit wird nicht als persönliches Versagen betrachtet, sondern als gesellschaftliches Problem, für das wir konkrete Lösungen schaffen müssen.
Gerade für eine Stadt wie Wuppertal halte ich diesen Ansatz für interessant, weil er soziale Unterstützung mit einem klaren Ziel verbindet: Menschen dauerhaft wieder ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
15. Warum sollte jemand aus Wuppertal dir bei der Landtagswahl seine Stimme geben?
Weil ich authentische, verständliche und progressive Politik machen möchte. Ich möchte zuhören, Probleme ernst nehmen und mich nicht damit zufriedengeben, dass etwas schon immer so gemacht wurde.
Politik sollte den Alltag der Menschen einfacher machen und ihnen mehr Chancen geben, nicht zusätzliche Hürden schaffen.
Ich möchte Wuppertal eine Stimme in Düsseldorf geben, die menschlich bleibt, neue Ideen mitbringt und den Mut hat, Dinge wirklich zu verändern.