David Kessing aus Duisburg ist 37 Jahre alt und von Beruf Ingenieur. Er war bis Mai 2026 stellvertretender Landesvorsitzender im NRW-Landesvorstand und kandidiert jetzt für Volt im Landtagswahlkreis 32 - Wuppertal I (Ost) und auch auf dem Listenplatz 8 unserer NRW-Landesliste.
Interview Fragen:
Persönlicher Einstieg
1. Was bewegt dich persönlich dazu, für Volt bei der Landtagswahl zu kandidieren?
Vieles läuft aktuell falsch in unserem politischen System – nicht nur in der inhaltlichen Ausrichtung der Parteien, sondern auch im politischen System selbst. Lobbyismus und Postengeschacher haben dazu geführt, dass die Menschen das Vertrauen in die Politik verloren haben.
Mit Volt wollen wir das besser machen und die Politik für die Menschen zurückerobern.
2. Gab es einen bestimmten Moment oder ein Erlebnis, bei dem du gedacht hast: Ich möchte Politik nicht nur beobachten, sondern selbst gestalten?
Das war mit Sicherheit die Geburt meiner Tochter vor 6 Jahren, als ich persönlich erfahren habe, wie es politisch versäumt wird unsere Kinder zu unterstützen. Schlechte Arbeitsbedingungen von Hebammen, überlastete Kindergärtner*innen und marode Schulen. Wenn unser Land für unsere Kinder funktionieren soll, müssen wir jetzt etwas ändern.
3. Was bringst du persönlich oder beruflich mit, das dir bei der Arbeit im Landtag helfen würde?
Ich bin Wissenschaftler und Ingenieur. Ich arbeite evidenzbasiert und nicht nach Gefühl. So finden wir die besten Lösungen, die tatsächlich funktionieren.
Politische Ziele
4. Welche drei Themen möchtest du im Landtag unbedingt voranbringen – und warum gerade diese?
- Kinder und Bildung: Wir brauchen eine Lobby für Kinder, damit diese in der Politik mehr berücksichtigt werden. Z.B. durch ein Kinder- und Jugendministerium mit erheblichem Budget. Gleichzeitig muss deutlich mehr in Bildung investiert werden, damit wir bei PISA mal wieder Land sehen. Für ein neues Schulsystem haben wir sehr konkrete Vorstellungen.
- Verkehr: Eine Landesförderung für Elektro-Autos, PV-Anlagen und Wärmepumpen. Vor allem in der Kombination kann uns dies aus der fossilen Abhängigkeit bringen. Besonders gefördert werden sollen bidirektional ladende Autos. Hier entsteht ein Potential für Energiespeicherung.
Kommunen sollen unterstützt werden, Innenstädte verkehrsarm zu gestalten. Tempo 30, autofreie Innenstädte, baulich getrennte Radwege und mehr ÖPNV sorgen für lebenswerte Städte.
- Finanzierung: Reiche Menschen mit einem Vermögen über 10 Mio. € müssen mehr besteuert werden. Eine Reform der Vermögens- und der Erbschaftssteuer sind dringend notwendig. Gleichzeitig müssen diese so ausgestaltet werden, dass mittelständische Betriebe, wie Handwerksunternehmen, nicht darunter leiden.
5. Stell dir vor, deine Zeit im Landtag wäre vorbei: Was müsste sich in NRW verändert haben, damit du sagen kannst, dass sich deine Kandidatur gelohnt hat?
Vor allem wünsche ich mir, dass die Menschen wieder Hoffnung auf eine gute Zukunft bekommen und Vertrauen in die Politik zurückgewinnen.
6. Wenn Geld, Bürokratie und politische Mehrheiten für einen Moment keine Grenzen setzen würden: Welches politische Traumprojekt würdest du für NRW verwirklichen?
Eine komplette Reform des Schulsystems, so wie wir uns das bei Volt vorstellen. Klassenverbände durch Erfahrungsstufen ersetzen, 3-gliedriges Schulsystem auflösen, gemeinsames inklusives Lernen ermöglichen, multiprofessionelle Teams einsetzen, Notensystem abschaffen, zeitgemäße Fächer ergänzen, Schulgebäude umfassend modernisieren und digitalisieren
7. Wo braucht NRW aus deiner Sicht nicht nur kleine Verbesserungen, sondern einen echten politischen Neustart?
Grundsätzlich im politischen System. Das Vertrauen muss zurückgewonnen werden und der Beruf der*s Politiker*in muss neu gestaltet werden. Anwesenheitspflicht im Plenarsaal, umfassendes öffentliches Lobbyregister und Nebenbeschäftigungsverbot – so können sich Politiker*innen auch voll auf ihre Aufgabe konzentrieren – die Repräsentation des Volkes.
Wuppertal
8. Welche Themen aus Wuppertal möchtest du mit nach Düsseldorf nehmen?
Die Verkehrssituation. Die aktuelle Baustellensituation um den Hauptbahnhof ist eine Katastrophe. Die Anbindung von Wuppertal ist so nicht gewährleistet. Hier hat die Deutsche Bahn massive Fehlleistungen in der Planung und Ausführung erbracht.
9. Wo wird Wuppertal aus deiner Sicht von der Landespolitik derzeit zu wenig gesehen oder unterstützt?
Wuppertal wird kulturell und vom Lebenswert unterschätzt. Hier braucht es mehr Anerkennung und Förderung.
10. Wenn du für Wuppertal ein einziges größeres Projekt auf Landesebene durchsetzen könntest – welches wäre das?
Die Bergische Universität ist eine divers aufgestellte Hochschule, die nicht nur sehr viele Lehrer*innen hervorbringt, sondern ebenfalls in anderen Fachbereichen glänzt. Hier würde ich mehr Unterstützung sehen, um Wuppertal zu einer echten Universitätsstadt zu machen.
Volt und Europa
11. Was unterscheidet deine Kandidatur für Volt von einer Kandidatur für eine der etablierten Parteien?
Ich bin kein Berufspolitiker. Ich komme aus dem echten Leben und kenne die Probleme vor Ort. Genau das brauchen wir aktuell, um das Vertrauen in die Politik wiederherzustellen. Das sehe ich bei den etablierten Parteien nicht mehr.
12. Volt denkt europäisch. Was bedeutet das ganz konkret für die Landespolitik in Nordrhein-Westfalen?
NRW ist bereits eng verbunden mit den europäischen Nachbarn. Wir wünschen uns eine nahtlose Verknüpfung der Regionen, z.B. durch eine Integration des Arbeitsmarkts oder des Bildungssystems. Die EU ist ein guter Anfang, aber wir können zu einem echten föderalen Staat zusammenwachsen.
13. Wie können wir Europa im Alltag der Menschen in Wuppertal sichtbarer und greifbarer machen?
Indem wir die besten Lösungen aus ganz Europa auch nach Wuppertal bringen.
14. Gibt es eine Idee aus einer anderen europäischen Stadt oder Region, von der Wuppertal oder NRW lernen könnte?
Wir können viel vom Verkehr in den Niederlanden lernen: Tempolimit auf den Autobahnen und baulich getrennte Fahrradwege.
Paris hat durch ein neues Leitsystem den Verkehr in der Innenstadt und damit die Feinstaubbelastung massiv reduziert.
15. Warum sollte jemand aus Wuppertal dir bei der Landtagswahl seine Stimme geben?
Ich wünsche mir die Stimme der Menschen aus Wuppertal, weil ich authentisch und ehrlich an den besten Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger arbeiten will – in Wuppertal und NRW.