Ansiedlung von Covenant in Leipzig
Die Seite Tag24 hat mich wegen der Ansiedlung von Covenant in Leipzig nach meiner Meinung gefragt.
Da diese im Artikel aber nur in Auszügen erscheint, hier die vollständige Antwort.
Ich befürworte die Ansiedlung von Covenant in Leipzig.
Diese Antwort fällt mir persönlich nicht leicht. Ich muss damit eine Haltung revidieren, die ich über die vergangenen 20 Jahre vertreten habe. Doch angesichts der heutigen Weltlage bin ich überzeugt: Europa braucht eine glaubwürdige Fähigkeit, sich zu verteidigen. Dazu gehören auch die notwendigen Produktionskapazitäten.
Die angeführten Gründe gegen die Ansiedlung überzeugen mich nicht. Leipzig hat mit seinem industriellen Norden und dem Flughafen bereits strategisch bedeutende Infrastruktur. Daraus lässt sich weder Risikofreiheit noch eine zwangsläufig deutlich höhere Bedrohung durch dieses Werk ableiten. Die Ängste und Sorgen vieler Leipziger sind real und müssen ernst genommen werden, auch wenn ich die tatsächliche Gefährdung anders einschätze. Gerade deshalb brauchen militärische Ansiedlungen besondere Transparenz und Prozesse, die für alle Leipziger nachvollziehbar sind und kritisch begleitet werden können.
Ebenso greift die Aussage zu kurz, die Gewinne gingen ins Ausland, während Leipzig nur die Risiken trage. Auch bei einem Unternehmen in deutschem Eigentum ist nicht garantiert, dass Gewinne hier bleiben. Entscheidend ist, welchen Beitrag ein Unternehmen vor Ort leistet: durch Arbeitsplätze, Löhne, Steuern, Sozialabgaben und Aufträge für regionale Zulieferer. Dazu gehören Körperschaftsteuer in Deutschland und mögliche Gewerbesteuereinnahmen für Leipzig.
Entscheidend ist für mich jedoch die gemeinsame Verantwortung: Leipzig ist Teil einer europäischen Sicherheitsarchitektur. Europäische Verteidigungsfähigkeit zu befürworten, die dafür notwendige Produktion aber grundsätzlich anderen Städten überlassen zu wollen, hielte ich für feige und unserer Stadt nicht angemessen.
Sehr kritisch sehe ich, dass es uns in Europa aus technologischer Sicht bislang nicht ausreichend gelungen ist, eigene Kompetenzen und unabhängige Strukturen aufzubauen. Stattdessen sind wir weiterhin auf die Zusammenarbeit mit fragwürdigen Investoren angewiesen, die teilweise offen demokratiefeindliche Positionen vertreten.
Nur ein starkes, technologisch unabhängiges und eigenständig handlungsfähiges Europa kann langfristig ein verlässlicher Partner für die übrige Welt sein. Darauf müssen wir in den kommenden Jahren unseren Fokus legen.
Um uns diesen Weg zur europäischen Eigenständigkeit überhaupt offenzuhalten, müssen wir zugleich unsere Verteidigungsfähigkeit zeitnah stärken. Beides gehört für mich untrennbar zusammen. Deshalb unterstütze ich die Ansiedlung – und das ausdrücklich auch in Leipzig.
Mit freundlichen Grüßen
Falk Fiebig